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Eliſabeth,„wir können dir's nicht mehr verbergen, wir wiſſen es, wie ungluͤcklich du biſt.“—„Wo denkſt du hin,“ ſagte Maria, wie könnt ich jett noch unglůͤck⸗ lich ſeyn?“—„O, verſtelle dich nur nicht gegen uns; du haſt wol recht, wenn du dich ſonſt niemand vertrauſt, aber uns darfſt du deine Leiden klagen.“ Da nun Maria vor lauter Verwunderung ſchwieg, ſagten ihr die Schweſtern, was ſie von den wohlmeinenden und aufmerkſamen Nachbaren erfahren hatten.—„Georg hat eine laute Stimme, vor der ich anfangs zuweilen erſchrak, das iſt wahr,“ ſagte Maria,„auch iſt er, wie alle Maͤnner, dann und wann verdrießlich.“—„Alſo halt er dich nicht in Ehren wie er ſollte, und weil du nun ſein Weib biſt“——„O, ich bitte euch! kein Wort weiter!“ rief Maria;„liebe, gute Schweſtern! wißt ihr denn gar nicht, was es um eine herzinnige Nei⸗ gung ſey? und wie unmoͤglich es iſt, einander dabei zu beleidigen 2... Ich moͤchte meinen Georg um kein Haar anders haben, als er iſt. Seht, wenn das Pol⸗ tern nicht waͤre, ſo waͤre auch das Wiedergutmachen nicht. O, könnt' ich euch begreiflich machen, wie gut, wie lieb er ſeyn kann, ihr wuͤrdet mich gewiß nicht mehr bedauern.“ Bei bieſer Rede hatten ſich alle Ro⸗ ſen auf Maria's Wangen entfaltet, und ihr Auge
glaͤnzte ſternenhell. Raſch hob ſie ihren Korb vom Bo⸗
den, als ware er federleicht, ſie kußte recht herzlich die Schweſtern, und eilte nach Hauſe. 15*


