Druckschrift 
Erzählungen / von Josephine von Perin, geb, Freyin von Vogelsang ; mit einem Kupfer von Ludw. Schnorr und Fr. Rosmäßler
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

Donnern von Georgs Stimme, das leiſe Flehn der ihrigen ganz deutlich vernommen hatte. Solche, oft wiederholte Nachrichten, waren eben ſo viele Dolch⸗ ſtiche fur die Herzen der gutmuͤthigen, männerſcheuen Jungfrauen. Dennoch ſchwiegen ſie noch gegen Ma⸗ rien: ſie erſchraken vor dem Gedanken, eine Ehe zu ſtören, ein Weib zu Klagen uͤber ihren Mann zu verleiten, und bezahmten aus wahrem ſeltenen Tu⸗ gendſinn Herz und Zunge.

An einem truͤben Herbſtmorgen beſuchte Maria ihre Schweſtern. Sie trug einen ſchweren Korb; der fruͤhe Gang in der feuchten Luft gab ihr ein etwas zerſtörtes Anſehn. Eliſabeth nahm ihr den Korb ab, und trug ſie mehr, als ſie ſie fuͤhrte, zu einem Sitze. Anna ging eilig in die Küche, Kaffee zu kochen; Ma⸗

ria ließ es laͤchelnd geſchehen, denn ſie wußte wol, eſſen und trinken mußte ſie bei den Schweſtern, wollte ſie die guten Seelen nicht auf's höchſte kraͤnken. Mun ſtand der Kaffee auf dem Tiſche, und beide ältere Schweſtern ſaßen der jungen Frau ge⸗ genüber, die ſie mit unendlicher Freundlichkeit anla⸗ chelte. Aber Maria's Lächeln hatte von jeher die Wehmuth verrathen, die trotz ihrer gewohnten Mun⸗ terkeit ſie heimlich oft beſchlich; die Schweſtern konn⸗ ten es nicht lange ertragen, ſie brachen beide in Thranen. ausUm Gottes Willen! was iſt euch? rief Maria erſchrocken.Es iſt umſonſt, ſprach