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ſpieß gewendet, indem ihr Herr, wie billig, an ber Ta⸗ fel ſaß. Dieſer hatte ſeitdem vor ihr keine Ruhe, Sebaſtians Reichthum war ihr bei dieſen zwei Ge⸗ legenheiten zu anſchaulich geworden, als daß er nicht alle ihre Schmerzen erneuert haͤtte. Georg hoͤrte wol eine Weile geduldig ihre Klagen an; wenn es ihm aber zu viel wurde, nahm er ſeine Pfeife, und ſetzte ſich auch an dem kälteſten Tage hinaus auf die Bank unter den Hollunderbaum; denn immer war ihm da, als ſäße Maria an ſeiner Seite, oder als muͤßte ſie eben kommen.
Im Hauſe der drei Schweſtern war es ſtille geworden, wie im Grabe. Wie die Pflanze, dem naͤhrenden Boden entriſſen, noch einige Stunden gruͤnt und bluͤht, dann aber welkt, hindorrt und bald ganz abſtirbt; ſo hatte Maria die erſte Zeit, nachdem ſie den Umgang mit Georg aufgegeben, noch einigen Lebensmuth gezeigt, munter, ja faſt fröhlich zuweilen ausgeſehn; aber nach und nach hatte ihre Jugend⸗ kraft der Laſt eines ganz freudenloſen Lebens erlie⸗ gen muͤſſen: ſie war nicht bettlägerig, unterzog ſich, wie ſonſt, der Ordnung des Hauſes, legte auch me⸗ chaniſch ſelbſt Hand an, wo man ihrer bedurſte, zeigte große Angſt, wenn einer ihrer Schweſtern auch nnr unbedeutend etwas fehlte, ließ aber alles uͤbrige ohne Theilnahme geſchehn, und hatte ſich, ohne es ſelbſt zu wiſſen, faſt des Redens entwoöhnt. Dabei ſah
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