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derhaft abſtoßende und furchtbar peinliche Darſtellung der Laſter und Gebrechen der menſchlichen Natur auf der niedrigſten Stufe der Verworfenheit und des Elends vlötzlich vor ihre Augen getreten iſt. Sie wenden im Vorübergehn die Augen in ſchmerzlichem Schauder ab; und doch— wahrhaft ſehr ſeltſam!— und doch hat die Neugierde, oder vielmehr der Reiz des Schrecklichen ſie gezwungen, noch einen Blick hinzuwerfen, und dieſet Blick hat die Scene der Phantaſie ſo lebhaft eingeprägt, daß ſie ſie noch lange Zeit nachher am Tag verfolgte, und ihr des Nachts als Geſpenſt erſchien.— So war es bei Virginia, die, während ſie vor dem bloßen Gedan⸗ ken an die Möglichkeit, daß der Argwohn der Frau Judith begründet ſein könnte, erſchreckt zurückbebte, ſich jetzt unwiderſtehlich hingezogen fühlte, auf jede neue Zuflüſterung und jeden unſichern Umſtand zu lauſchen, der ihre Zweifel vermehrte, und ſo ihre Leiden erhöhte. Bereits hatte in ihr jener Kampf zwiſchen Vernunft und Herzen begonnen, in welchem ſo viele holde Weſen als Opfer unrettbar fallen, oder, wenn ſie den Sieg davon tragen, dieſer durch den Verluſt jener ganzen Lebendig⸗ keit der Hoffnung, jenes entzückenden Gefühls der Freude erkaufen, das uns aus dem dunkeln Thale der Greiſen⸗ zeit mit langem, ſehnſüchtigem, zauderndem Blick auf die ſonnige Region der Jugend blicken läßt, von welcher wir unmerklich für immer niederglitten. Es gibt für krächzende Raben wie Frau Judith


