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ten, ſchienen die Meiſten der Anſicht zu ſein, daß er nichts als ihr Spiritus familiaris in Verkleidung eines ſchoͤnen Juͤnglings ſei.
In dieſem Zuſtande verharrten die Dinge eine
Zeit lang, denn man ſchien nicht gern zu dem letzten
Akte ſchreiten zu wollen. Endlich naͤherte ſich ihr der Paſtor und ſchlug ihr vor, mit ihr zu beten. Miriam antwortete:
„Du biſt nicht mein Freund geweſen, aber ich will mit Dir und fuͤr Dich beten!“ und ihre Gebete erhoben ſich zuſammen gen Himmel. Als er ſie mit inbruͤnſtiger Froͤmmigkeit den Namen ausſprechen hoͤrte, welchen, der allgemeinen Ueberzeugung gemaͤß, die un⸗ ſeligen Lippen der vom Teufel Beſeſſenen nicht nennen konnten, blickte der wohlmeinende, aber irregeleitete Mann aufmerkſam in ihr Geſicht und ſah dort einen ſolchen Ausdruck von Religioſitaͤt, Unſchuld und Re⸗ ſignation, daß ſeine Ueberzeugung von ihrer Schlech⸗ tigkeit erſchuͤttert wurde. Peinliche Gedanken zogen
auf einen Augenblick durch ſeinen Geiſt, aber er ver⸗
ſank bald wieder in ſeine bisherige Anſicht.
Miriam ſollte jetzt auf den Karren geſetzt werden, wo dem Gebrauche gemaͤß kein Sarg ſtand, denn jene verabſcheuten Boͤſewichter wurden ohne Saͤrge auf Kreuzwegen begraben, damit ſie die Kirchhoͤfe nicht be⸗ flecken ſollten.
Es wurde noͤthig, Miriams und Langley's Hände zu trennen, und als dies geſchah, war es, als ob das


