215
an dergleichen Kleinigkeiten denken koͤnne, ab. Ihrem Herzen wurde eine Thraͤne, die ihr eigenes bevorſtehendes Schickſal ihr nicht entreißen konnte, durch Mitleid fuͤr einen Andern entlockt.
Jetzt wurde das Zeichen gegeben. Sie ſtanden auf, umarmten und kuͤßten ſich und nahmen zum letz⸗ ten Male von einander Abſchied. Es bildete ſich ein Zug unter Anfuͤhrung der richterlichen Perſonen und des Pfarrers, in deſſen Mitte Langley und Miriam nach dem Orte hinwandelten, wo das Opfer dem fin⸗ ſtern Daͤmon des Aberglaubens dargebracht werden ſollte. Es hatte ſich eine Menge von Menſchen ein⸗ gefunden, die von dem ſeltſamen Gemiſch von Entſetzen und Neugier herbeigezogen worden war, welches ſo viel Tauſende zuſammenlockt, um Scenen mit anzuſehen, welche ihr Ruhekiſſen noch lange nachher mit furcht⸗ baren Geſpenſtern bevoͤlkern. Die Zuſchauer wurden von verſchiedenartigen Gedanken ergriffen, als ſie Mi⸗ riam in ihrem ſchneeweißen Gewande und faſt mit eben ſo bleichem Geſicht und der ſtillen, ruhigen Miene der Ergebung, welche, wie Manche einander zufluͤſterten, ganz wie die der Unſchuld ausſahen, erblickten. Andere behaupteten, daß ſie eher wie eine verhaͤrtete Suͤnderin ausſehe. Einige betrachteten ſie mit Theilnahme, An⸗ dere mit ſchauderndem Widerwillen, und ein großer Theil mit frommem Entſetzen. Ueber den Fremden, der ihre Hand hielt und in allen Zuͤgen ſeines Geſichts Gefuͤhle ausdruͤckte, die ſie nicht zu beſchreiben vermoch⸗


