Teil eines Werkes 
4r-6r Band (1851)
Entstehung
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dem Altare der Feigheit opfern. Liebſt Du mich wirk⸗ lich, ſo mußt Du mir gehorchen und leben.

Weshalb ſoll ich leben? fragte er duͤſter.

Lebe zur Ausuͤbung der hohen und edlen Pflich⸗ ten, fuͤr die der Menſch auf die Welt geſendet und mit Eigenſchaften be abt worden iſt, die ihn in den Stand ſetzen, die Wohlfahrt ſeiner Mitgeſchoͤpfe zu befördern. Lebe fuͤr Dein Vaterland, das Deine Dienſte fordert und Deine Hingebung verdient lebe fuͤr Deine ver⸗ witwete Mutter, die jetzt in dem Thale der Thraͤnen durch Deinen Tod ihres einzigen Stabes und ihrer ein⸗ zigen Stuͤtze auf der Welt beraubt werden wuͤrde. Lebe fuͤr mich, Langley, denn wenn Du todt biſt, wird Niemand mehr vorhanden ſein, der ſich meiner er⸗ innerte. Du wirſt einem Denkmale fuͤr mich gleichen, denn ſo lange Du lebſt, weiß ich, daß ich nicht vergeſ⸗ ſen ſein werde. Denke aber auch an Deine Mutter. Die Bande, welche Mutter und Kind verknuͤpfen, ſind heiliger als die der Liebe. Lebe alſo und erweiſe Dich als meiner wuͤrdig.

Ich bin froh, daß Du nicht wuͤnſcheſt, daß ich Dich vergeſſe, ſagte Langley etwas vorwurfsvoll.

Nein nein nein nie! Ich wuͤnſche, daß Du Dich in dieſem Leben und wo moͤglich auch im zukuͤnftigen meiner ſtets erinnern moͤgeſt als eines Maͤdchens, das Dich mit aller Tiefe und Reinheit der erſten und einzigen Frauenliebe geliebt hat, als Einer, an die Du Dich, wenn die Zeit die rauhen Furchen des

Die Tochter des Puritaners. II. 14