Teil eines Werkes 
4r-6r Band (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

208

vergangen und der Abend eingebrochen, ehe er Miriam zum letzten Male beſuchen konnte. Sie hatte ſich uͤber feine Abweſenheit nicht gewundert, da ſie uͤberzeugt war, daß er ſich zu ihrem Beſten anſtrengte. Als er erſchien, ſank ſie ſanft in ſeine ausgebreiteten Arme, blickte in ſein Geſicht und ſagte leiſe:

Morgen wird ein anderer Braͤutigam kommen, und ich muß mit ihm gehen. Bis dahin, Langley, bin ich gaͤnzlich die Deine.

Miriam, erwiderte er, ſie feſt an ſeine Bruſt druͤckend,glaubſt Du, daß uns je der Tod trennen wird?

Nur auf kurze Zeit, hoffe ich, nicht fuͤr immer.

Auf keinen Augenblick, wir trennen uns nicht wieder.

Ich verſtehe Dich, Langley, ſagte Miriam, in⸗ dem ſie ſich ſanft ſeinen Armen entzog.Setze Dich neben mich und laß uns zuſammen ſprechen. Deine Mutter lebt noch, nicht wahr?

Langley bejahte es und ſie fuhr fort:

Ich weiß recht gut, daß Du das beſitzeſt, was die Menſchen Muth nennen, ſonſt wuͤrdeſt Du nie der Auserwaͤhlte meines Herzens geworden ſein. Du haſt den Muth zu ſterben, aber ich fordere von Dir den Muth zu leben. Wenn Dein Tod mein Leben retten koͤnnte, ſo wuͤrdeſt Du vielleicht ein Motiv zu dieſem Opfer haben; wenn Du aber mit mir ſterben oder mir im Tode folgen wollteſt, ſo wuͤrdeſt Du Dich nur auf