124
Offizier war unſer Pierce, dem eine Kugel den lin⸗ ken Arm weggeriſſen hatte.
Muhme Thomaſine war ſo von Stolz und Be⸗ wunderung für ihren Großneffen erfüllt, daß ſie ſich mit echt philoſophiſcher Reſignation in die Ausſicht ergab, ihn verſtümmelt wieder zu ſehen. Ich begab mich zu Mary, die ich beinahe in ganz gleicher Stim⸗ mung fand; nur war bei ihr der Heroismus weni⸗ ger echt und aus dem Innern kommend; denn in dem Augenblick, wo ihre Mutter mir von ihr rühmte, ſie ſei ein unerſchrockenes, furchtloſes Gemüth, eine wahre Soldatenfrau, brach das arme Kind in wildes Weinen aus. 3
In den folgenden Tagen ward es noch ſchlim⸗ mer mit uns. Es war nicht mehr ſo viel die Rede von Sieg und Ruhm. Man erzählte ſich haarſträu⸗ bende Geſchichten von den furchtbaren Leiden der Verwundeten, von den Verheerungen, welche der La⸗ zarethtyphus anrichte, von den unerhörten Entbeh⸗ rungen, denen die fabelhafte Sorgloſigkeit und Un⸗ geſchicklichkeit der britiſchen Militärverwaltung die Kranken und Verwundeten der engliſchen Truppen ausgeſetzt hatte. Muhme Thomaſine hörte alle dieſe Geſchichten aufmerkſam und kleinlaut mit an und
begann nun den Krieg und ſeine Gefahren unter einem minder poetiſchen und wahreren Geſichtspunkte aus zu betrachten. 3
Leider kam es ganz anders, als wir erwartet hatten. Wie viele Herzen welkten in jenen Jahren mit den herbſtlichen Blättern dahin! wie viele Hoff⸗ nungen fielen zu Boden, wie das dürre Laub! Als
endlich das Freudengeläute verſtummte, welches den


