Teil eines Werkes 
6. Band (1832)
Entstehung
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lage von geſtern ſagen, und zwar mit einer Beſcheiden⸗ heit, welche man nur hier und uͤberall trifft, be⸗ taͤubte ein armer Blinder die Voruͤbergehenden mit ſei⸗ nem falſchen ſchreienden Geſange. Einige Dummkoͤpfe hielten ihn fuͤr einen Erkunſtler des Theaters, vor dem er ſeine Litanei ableierte, und gaben ihm Etwas; das Geldſtuͤck fiel dann in die Buͤchſe am Halſe des Hun⸗ des, den er an einem Bindfaden hielt. Bei jeder Gabe ſagte der arme Blinde, wie der Sakriſtan von vorhin, Gott vergelt' es! Aber bald nannte der ungluͤck⸗ liche Beliſar die mitleidige Griſette: Capitain, bald ein kleines Maͤdchen, dem die Großmutter das Almoſen⸗ geben lehrte: Madame, bald einen Sergeant⸗Major mit buſchigem Schnauzbart und Dienſt⸗Auszeichnungen auf dem Arme: Mademoiſelle.

Einſt kam ein Kind von ſieben bis acht Jahren (und in dieſem Alter iſt man ſo voll Malice, wenn man in einem Pariſer Collegio erzogen iſt), ein kleiner Eulenſpiegel, der eine Scheere gekauft hatte; er ſtand vor dem rothen Antlitz des Bettlers ſtill, und kam auf die Idee, die Guͤte ſeines Einkaufs auf Koſten des Blinden verſuchen. Ein Schnitt! Der Faden iſt ent⸗ zwei. Sofort ſprang der Bettler auf; ohne die Menge zu beachten, die ihn umgab, verfolgte er den Muth⸗ willigen auf dem Boulevard, holte ihn nach tauſend umwegen ein, applieirte ihm eine Ohrfeige und einen derben Tritt vor den Hintern, haſchte ſeinen Hund und