359
—„MNein Herr, ſagte er mit hellklingender Stimme, ich weiß nicht, wo ich zur Nacht unterkommen ſoll;
geben Sie mir Etwas!“
— Ich habe Nichts! Und ich ging eilends weiter!
Da ſtuͤrzte der Menſch auf mich zu, packte mich beim Kragen und ſchrie mit droͤhnender Stimme:„Herr, geben Sie mir ein Almoſen!“
— Es iſt ſehr ſpaͤt zum Betteln!.
— Ja, aber es iſt auch ſehr ſpaͤt zum Abſchlagen!
Ich gab ihm ein Geldſtuͤck, und er ſtuͤrzte, ohne mir zu danken, nach dem Boulevard Mont⸗Parnaſſe.
Bei dem flackernden Lichte der Reverberen hatte ich die Zuͤge dieſes Menſchen unterſcheiden können. Sie waren niedergeſchlagen, aber nicht gebrandmarkt; ſein Blick hatte einen Ausdruck von Bosheit, der mir nicht natuͤrlich erſchien, als wollte er ſich anſtrengen, recht ſchrecklich auszuſehen, wie Einer, der ſeine Stimme gegen ein widerſpenſtiges Kind erhebt, das durch Furcht gebeſſert werden ſoll. Seine Rede war kurz, raſch, ſchuͤlermaͤßig; ſie machte mir keinen Eindruck, ich hatte faſt Luſt, nach dem erſten Moment der Ueberraſchung, meinen Bettler Arm in Arm bis zum Obſervatorium zu begleiten. Er ließ mir nicht Zeit dazu, und ich hatte ihm das Almoſen zuerſt ohne Mitleid gegeben, dann bereute ich ganz ganz, als ich ihn ſo raſch fort⸗ gehen ſah.
Am Morgen erzaͤhlte ich meine Moͤrderbegebenheit


