348
eines Schwalbenneſtes? Nach der Meinung des Vaters brachte es⸗unſerm Hauſe noch Gluͤck, da ſein Frieden ſchon unter Stuͤrmen zu wanken begann, deren Urſache zu ergruͤnden ich nie gewagt habe. Selbſt hier iſt es, als ſpraͤche ich Dir heimlich ins Ohr, ſo viel Furcht habe ich, irgend Etwas aufzuſtoͤren, das mich daruͤber zu deutlich belehren koͤnnte. Aber das Schwalbenneſt, das arme Neſt, kann ich Dir zuruͤckrufen als eins der Bilder, deren Erinnerung mir aus jener Zeit am hell⸗ ſten geblieben iſt, aus einer truͤb' verſchwimmenden Zeit, die mir alle Eure geliebten Geſtalten zeigt, wie Bilder, die ich im Grunde eines Schubfachs wieder faͤnde. „Ich kam einmal aus der Schule, freudetrunken in ſpringender Luſt, als haͤtte ich Fluͤgel an den Fuͤßen; erinnerſt Du Dich deſſen noch, meine Schweſter? Es war noch nicht finſter, aber der Tag hatte keine Kraft mehr in unſerm großen, ſo reinlichen Hofe, wo Gras wuchs. Ich glaube mich zu erinnern, daß auf einen „heißen ſonnenhellen Tag ein gewitterdrohender Abend gefolgt war, denn durch dieſe Faͤrbung ſeh' ich das noch, was uns damals in ein beſtuͤrztes Staunen ſetzte. „Du ſaßeſt auf der grauen Steintreppe, welche in den Hof fuͤhrte; Du ſaͤumteſt eine Florhaube zum fol⸗ genden Tage, einem Feiertage. Ehe ich Dich noch er⸗ reicht, rief ich athemlos: Ah guten Tag! Biſt Du's? — Du antworteteſt mir beſchaͤftigt und zufrieden: Gu⸗ ten Abend! Da, meine huͤbſche Haube! Kommſt Du?


