Teil eines Werkes 
6. Band (1832)
Entstehung
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beſitzen. Sein Gedaͤchtniß, das er klagte vorloren zu haben, war eine Eneyklopaͤdie; wenn ihr ein Wort von ihm verlangtet, gab es euch einen Band. Ich hoͤrte ihm nicht zu, ich las ihn. Aber ſobald dieſe Spring⸗ ſluth von Poeſie, Wiſſenſchaft, Gedankenfuͤlle und En⸗ thuſiasmus verſiegte, ſiel Tard... in den dumpfſten Truͤbſinn. Nichts konnte ihn erwecken. Nur ein fort⸗ waͤhrendes ſanftes Laͤcheln zeugte noch von der Regung des Lebens in ihm. In dieſer lethargiſchen Ruhe war es, daß man uͤber das Maͤchtige erſtaunte, welches in dem gedrungenen Guſſe ſeines Koͤrpers, in den ſinnig gebogenen, nach der Antike gebildeten Schultern lag. Er war klein, kaum konnte er fuͤnf Fuß erreichen aber bei ſolchen Menſchen iſt der Kopf Alles. Der ſei⸗ nige ſtand in einem ſchrecklichen Mißverhaͤltniſſe mit dem, wenn gleich ſehr ſtarken, Leibe und mit den duͤn⸗ nen nervigen Beinen, wie ſie ohne Ausnahme die Mor⸗ genlaͤnder haben, welche am Nande der Wuͤſte wohnen. Er bot das Zuſammentreſfen der weiteſten Schaͤdel⸗ Entwickelung eines Europaͤers und der ſchoͤnſten Cha⸗ rakterwahl eines Afrikaners. Die kraͤftige Adlernaſe vog ſich uͤber mehr natuͤrlich als fein gebildete Lippen, man ſah, daß ſein Gedanke gewoͤhnlich mehr aus den Augen hervorging als aus dem Munde, welcher we⸗ der von Zorn entſtellt, noch von Verachtung aufge⸗ worfen war. Nur das Kinn, zart und ſchmeichelnd, kruͤmmte ſich etwas zu ſehr nach dem Munde zuruͤck,