Teil eines Werkes 
5. Band (1832)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

24

bleich, ſeine Blicke verloren ihre Lebendigkeit. Er zog ſich zuruͤck, ward finſter/ muͤrriſch, verſchloſſen. Kaum hoͤrte er mehr und antwortete nur durch Seufzer.

Lautrec hatte noch einen jugendlichen Onkel, der zu hohen Ehrenſtellen in dem Klerus gelangt war und ihm ſtets ſehr viele Zuneigung bezeigt hatte. Dieſer Onkel bemerkte die Veraͤnderung Lautrec's und betruͤbte ſich daruͤber. Mehr als einmal drang er mit Fragen in ihn, der junge Mann aber wich aus und verheim⸗ lichte. Der Onkel ließ ſich nicht abſchrecken und be⸗ harrte. Endlich gab Lautrec ſeinen Zudringlichkeiten und Liebkoſungen nach und ließ ſich ſein Geheiunniß entreißen.

Es war zu einer Zeit leichtfertiger und wenig be⸗ denklicher Sittlichkeit. Man pflegte damals die Liebe

nicht ſo ernſthaft zu behandeln. Der Onkel uͤbernahm

es, ſeinen Neffen zu enttaͤuſchen und freizumachen. Er ſah das junge Maͤdchen und erſchoͤpfte ſich in Kunſt⸗ griffen und Verfuͤhrungsmitteln. Bald beſchwor er ſie, aus Liebe ihrer Liebe ſelbſt zu entſagen, damit der, den ſie liebte, von einer Verbindung frei werde, die ihn ungluͤcklich mache. Ein anderes Mal bot er ihr an, wenn ſie ſich nicht mit der Liebe begnuͤgte, zur Ent⸗ ſchaͤdigung fuͤr das Opfer, um das er bat, ſie mit Neichthuͤmern zu uͤberhaͤufen. Ja, er wagte es endlich ſogar, da er ihre Zuneigung als ſo tief gewurzelt er⸗ kannte, und wie ihr der Muth fehle, dieſe aufs ehan⸗ un