Teil eines Werkes 
5. Band (1832)
Entstehung
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Ein anderes Mal wiederholte der alte Graf als Auswahl unter den Geſpraͤchen, denen er beigewohnt, ſeinen Enkeln einige der Maximen und Belehrungen ihres Ahnherrn.

Wenn man mit ihm von denen ſprach erzaͤhlte er ihnen, die ihm ſo viel Uebles zugefuͤgt hatten, un⸗ terbrach er und ſagte: Man muß ſie beklagen, liebe Kin⸗ der, nicht aber ſie haſſen. Waren ſie ihre eigenen Her⸗ ren? Ihr ſaht meine Gefahren, ſaht Ihr die ihren? Die Revolutionen ſind undankbar gegen die, welche ih⸗ nen dienen. Sie machen harte Anforderungen an ſie. Glaubt Ihr denn, ſie haͤtten mir aus Haß gegen mich das angethan, was ſie mir angethan haben? Glaubt das nicht; ſie dachten mehr an ihren Vortheil als an meinen Schaden. Sie opferten mich den Irrthuͤmern Anderer auf, indem ſie glaubten, dieſe dadurch von ſich ſelbſt abzuwenden und ſie zu beſchwichtigen.

Man muß die niedrigen Leidenſchaften des gemei⸗ nen Lebens nicht in die Politik uͤbertragen. Mancher, der Euch zu ſchaden ſuchte, hat Euch vielleicht gehol⸗ fen, Mancher Euch geſchadet, der Euch doch eigentlich helfen wollte. Oft denkt man, indem man einen Men⸗ ſchen angreift, ganz und gar nicht an dieſen. Man verfolgt in ſeiner Perſon ein idealiſches Weſen, das eine große Menge anderer Menſchen in ſich faßt. Man vertheidigt ſich gegen ihn als ein Prinzip, als eine Theorie, als eine Gewalt, deren Bild und Ausdruck