Teil eines Werkes 
5. Band (1832)
Entstehung
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ihm herabſtieg, oͤffneten ſich die Staats⸗Gefaͤngniſſe wieder und das Schloß kehrte zu ſeiner fruͤheren Be⸗ ſtimmung zuruͤck.

Am aͤußerſten Ende des Hofes befand ſich eine große Linde. Es war der einzige Baum, den die Gefangenen ſahen, und auch ihn nur von weitem. Seht dieſen Baum ſagte einſt mein Großvater zu mir, ein beruͤchtigter Mann hat ihn gepflanzt, ein Mann, den man Bourdon nannte, einer der Begruͤnder der fran⸗ zoͤſiſchen Republik, und den die Republik dafuͤr zum Lohne in dieſes Gefaͤngniß warf. Er wollte ſelbſt noch als Gefangener ſeinem Glaubensbekenntniſſe ſtandhaft anhaͤngen und pflanzte daher an dieſe Stelle einen jun⸗ gen Baum, den er nach der tollen Sitte jener Zeit der Freiheit weihte. Die Natur dagegen wollte, daß, als eine harte und tiefſchneidende Verhoͤhnung, dieſer Baum der Freiheit, der ſchon ganz abgeſtorben war, in einem Gefaͤngniſſe gedeihe und bluͤhe. Und er bluͤht noch da, mein Sohn, aber die Freiheit, wann wird dieſe bluͤhen?

Ihr werdet mich fragen fuhr er fort, was ein Freiheitsbaum ſey? Es war ein Symbol, mein Sohn, ein ohnmaͤchtiges und unwirkſames Symbol, das keine Erinnerung erweckte, keine Erregung des Gemuͤths hervorrief und an ſich nichts beſaß, um En⸗ thuſiasmus einzufloͤßen. Dieſer Baum hat den des Kreuzes nicht in Vergeſſenheit gebracht. Denn dieſer iſt das wahre Symbol der Freiheit auf der Erde.