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die gewoͤhnliche Ruhe ſeines Gemuͤths und Geiſtes, und die Kraft eines von Natur geſunden und durch keine Exceſſe jemals geſtoͤrten Temperaments ſchoben fuͤr ihn den Zeitpunkt jener traurigen und unvermeid⸗ lichen Schwaͤche, den unſeligen Anfang des Todes noch im Schooße des Lebens, weit hinaus.
Jeden Abend, wenn der letzte Schimmer des Tages verſchwunden war, verſammelte ſich die ganze Familie im Saale des Schloſſes um den alten Grafen. Es war dies ein ziemlich großes, mit einfacher grauer Boiſerie und einer vom Plafond ſich herabſenkenden Lampe von Bronze geſchmuͤcktes Zimmer. An der Seite eines weiß⸗ marmornen Kamins ſtand ein ungeheurer Lehnſtuhl von gruͤnem Maroquin, ein alter verbrauchter, lahmer, wurm⸗ ſtichiger Sitz, auf dem der Herr des Hauſes fleißig zu ſitzen pflegte, und fuͤr den er eine wahrhaft fromme Vorliebe hatte, denn ſchon ſein Großvater hatte ſich deſſen bedient.
Auf der andern Seite hing ein großes Gemaͤlde, eine auffallende, obgleich incorrecte Arbeit eines beruͤhm⸗ ten Malers. Die Geſtalt, welche in der Mitte deſſel⸗ ben zu ſehen war und deſſen Haupt⸗Gegenſtand aus⸗ machte, war in ein weites violettes Gewand mit her⸗ abhaͤngenden Aermeln gekleidet. Nahe dabei auf einem ſchwarzſammetnen Tabouret ſtand ein trefflich gearbei⸗ tetes goldenes Kaͤſtchen. Naͤher noch ein eleganter und reicher Tiſch, auf dem ein halbentrolltes Pergament
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