16
Dich zweimal ſterben zu laſſen, noch Dich zu hindern, es einmal zu thun. Drum ſchaue ihm kuͤhn ins Ant⸗ litz, dem Tode. Er iſt nicht ſo haͤßlich, wie feige Leute glauben. Wer gut gelebt hat, hat genug gelebt.
Der Tod, der nicht vermieden werden kann, kann wenigſtens minder bitter gemacht werden. Laß uns da⸗ hin gelangen, daß er ehrenvoll ſei, und wir haben ihm ſchon einen großen Theil ſeiner Beaͤngſtigungen und Schmerzen genommen. Nun ehren aber die Menſchen nie den Tod derer, die ihm feig unterlagen.
— So iſt's denn alſo geſchehen um mich! rief ich aus.— Nein! entgegnete er; aber, mein Sohn, wenn es nun waͤre? Dein Leben iſt nicht ſo gluͤcklich geweſen, daß Du große Urſache haͤtteſt, es zu bedauern, noch ſo uͤbel angewendet, daß Du fuͤrchten muͤßteſt, es werde kein Andenken davon bleiben. Was braucht man denn mehr, um in Frieden zu ſterben?
Greis, antwortete ich, Deine Worte durchdringen mich mit Ehrfurcht und Bewunderung. Aber ſie ſind ſtreng und hart.
Du haſt es ſo gewollt, entgegnete er; Du haͤtteſt mich nicht rufen ſollen. Huͤte Dich vor Taͤuſchungen. Das Nothwendigſte fuͤr Dich iſt jetzt, in Dir ſelbſt ein richtiges Gefuͤhl fuͤr das Elend und die Eitelkeit des menſchlichen Lebens zu hegen. Ich habe Dir das ge⸗ ſagt, was ich fuͤr am geeignetſten hielt, dies Dir einzu⸗


