13
muͤſſe, kein Gluͤck, das ſich nicht drehe, kein betruͤbtes Herz, das ſich nicht freuen koͤnne, und kein erfreutes, das nicht ſeine Zeit der Truͤbſale habe. Daher werdet ihr auch in Kurzem ſehen und hoͤren; aber wartet und duldet nur noch ein Weilchen.“
Als Olivier geendet, ging eine neue Geſtalt langſam an mir voruͤber. Ihre Blicke, in welchen ein unbe⸗ ſchreiblicher Ausdruck von Schmerz lag, ſchienen zu⸗ gleich die meinigen zu ſuchen und zu fuͤrchten. Ich ſelbſt, fuͤr den ihr Anblick weder etwas Mißfaͤlliges noch Gleichguͤltiges hatte, und der ſehr ungeduldig war, ſie zu hoͤren, mußte zugleich mit einer Art von Inſtinkt käͤmpfen, der mich von ihr zuruͤckſchreckte. Ihr Hut, ihr flatterndes Gewand, ihr langer Guͤrtel mit goldnen Eicheln, eine gewiſſe Strenge, die nicht die des Alters war, eine Wuͤrde, ohne Beimiſchung von Stolz und Hochmuth, Alles belehrte mich, daß ich in ihr einen jener kraͤftigen und gelehrten Maͤnner erblickte, welche den Ruhm und das Anſehn unſerer Gerichtsſtuͤhle gruͤn⸗ deten, lange, ſehr lange vor jenem Zeitraume, wo ich zu der ausgezeichneten, aber gefaͤhrlichen Ehre erkoren ward, ſie zu leiten.
Ich rufte ihn an; er blieb ungern ſtehen.— Was willſt Du, mein Sohn? fragte er: Troſt? den mußt Du in Dir ſelbſt ſuchen. Da oder nirgends iſt er zu finden. Iſt Dein Ungluͤck groß? Erhebe Dich bis zu ihm. Biſt


