21
betet mich an, er iſt brav, er wird mich raͤchen. Wie ungluͤcklich bin ich!“ Auch der Vater verfolgte ſchweig⸗ ſam und finſter den jungen Mann mit forſchendem Blicke, und ungeachtet aller Geiſtesgegenwart Eugen's zwang die Erfahrung des Greiſes dieſen, dieſesmal an der Aufrichtigkeit des Geliebten ſeiner Tochter zu zwei⸗ feln. Eugen aber verſicherte trotz deſſen zu Emma's Fuͤßen, daß der Beleidigung, die man ſich gegen ſie un⸗ terſtanden, ſo viele Entſchuldigungen gefolgt waͤren, daß Alles damit ausgeglichen geweſen ſei. Emma ließ ſich es hundertmal wiederholen, ohne baß die Freude in ihr Herz zuruͤckkehrte und der Greis hoͤrte zu, ohne daß die Ueberzeugung in ſeine Seele gelangte.
Jetzt ſchlug es eilf Uhr; Eugen ging hinweg und ein Strahl der Hoffnung erhellte ſchon ein wenig die Stirn der jungen Liebenden und ſelbſt ihres Vaters, als dieſem ein Bedienter ein ſehr dringendes Billet einhaͤndigte, das eine unbekannte Perſon eben ins Hotel gebracht habe. Emma bebte. Eugen wollte fort. Aber ſchon hatte der Greis geoͤffnet, und las...„Bleiben Sie!“ rief er, und im Augenblicke ſank auch Emma bleich, zit⸗ ternd und ſterbend in den Seſſel, hielt aber noch Eugen bei der Hand zuruͤck.
„Er hinterging uns!“ rief der Greis und legte ſchmerzlich die Hand an die Stirn. 8
„Er wird ſich ſchlagen, ich wußte es wohl!“ ſchluchzte Emma, die Lippen wie im Todeskampfe erbleicht.


