Teil eines Werkes 
3. Band (1832)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

dem erſten beſten Lump, der die Achtung gegen ihn aus den Augen ſetzt, das alberne und grauſame Recht ein⸗ raͤumen, eine Beleidigung durch einen Mord zu recht⸗ fertigen.

Aber das Ehrgefuͤhl erlaubt es doch auch nicht, daß man ſich Trotz bieten laͤßt, man nach der Beleidigung ſchweigt, ſie ruhig hinnimmt und das Brandmal der Beleidigung behaͤlt!

Das Ehrgefuͤhl, junger Mann? Worein legen Sie denn das? In ein Duell? das werden Sie doch nicht zu behaupten wagen; da muͤßten Sie uͤber ſich ſelbſt errd⸗ then. Nein, Dank ſei es dem Himmel und den Fort⸗ ſchritten der menſchlichen Vernunft, ſpaͤt nachkommende, aber endlich doch triumphirende Ueberlegung hat einen unſeligen Reſt eines barbariſchen und ungeſelligen Ge⸗ brauchs, den Unwiſſenheit und Bildungsmangel des Mittelalters bei unſern Vorfahren eingefuͤhrt hatte, als noch ſtatt der Geſetze und Gerechtigkeitspflege die rohe Kraft herrſchte, aus unſern Sitten verbannt. Damals war ihr Duell das Gericht Gottes, damals ſtellte ſich das goͤttliche Recht uͤberall an die Seite der Gewaltthaͤ⸗ tigkeit, und dieſes ſchoͤne Recht des Straßenraͤubers, die⸗ ſes Gericht Gottes, gehoͤrte dem ſchaͤrfſten Degen, den nervigſten Faͤuſten, dem geſchickteſten Raufbolde an, mochte er uͤbrigens ein Verraͤther, Meineidiger, mit allen Verbrechen und Mordthaten bedeckter Menſch ſein; das, was Sie Ehre nennen, blieb ſtets dem Staͤrkſten, dem