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geſetzt zu haben. Man lobte ihn aber auch, daß er dem Ehrgefuͤhl ſo brav Genuͤge geleiſtet habe, und von der voruͤbergehenden Thatſache auf den Grundſatz kommend, war das Duell lebhaft angegriffen, vertheidigt, verhoͤhnt, gerechtfertigt, und abwechſelnd durch die gleich maͤchti⸗ gen und unbeugſamen Gruͤnde der Religion, des Vorur⸗ theils, der Philoſophie und des Ehrenpunkts bald ver⸗ urtheilt, bald losgeſprochen worden. Emma's Geliebter vertheidigte natuͤrlich, hingeriſſen durch die gluͤhende Empfaͤnglichkeit ſeines Alters und eines edlen Gemuͤths, deſſen grauſame Nothwendigkeit in faſt allen Faͤllen. Der Vater des jungen Maͤdchens ſtellte es, ernſt ſtreng, kalt logiſch und unveraͤnderlich in ſeinen Grundſaͤtzen wie er war, unbeugſam in die Reihe der Verbrechen. Die ſanfte, gefuͤhlvolle, und wie jedes liebende Maͤdchen in der Naͤhe ihres Geliebten bei dem bloßen Gedanken an Blut und Mord ſchon erbebende Emma unterſtuͤtzte ihres Vaters Meinung, vergalt aber mit einem Feuer⸗ blick die Beredſamkeit des jungen Mannes. Der Streit ward lebhaft, heftig, ſpitzig, und bewies vollkommen und treffend die Unbeſtimmtheit unſrer Meinungen, Gefuͤhle und Sitten uͤber dieſen zarten Punkt, der Alles beruͤhrt, was die Ehre nur Reizbares haben kann.„Nein, mein Herr!“ ſagte da Emma's Vater mit Beſtimmtheit, nach⸗ dem er die triftigſten Gruͤnde umſonſt aufgeſtellt hatte: „nein, der ſchaͤtzenswerthe Mann, der Familienvater, der Buͤrger, deſſen Leben dem Staate gehoͤrt, muß nicht


