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wenig kokett wurde, daß ſie im Scherze tauſend Herzen zur Verzweiflung brachte, ſpielend tauſend Opfer machte, wer haͤtte ſie deshalb tadeln moͤgen? Dies iſt das goͤtt⸗ liche Recht eines jungen Maͤdchens, die freie Willkuͤhr der Schoͤnheit. Gegen ſolche Mißbraͤuche wird man zu keinen Barrikaden ſeine Zuflucht nehmen. Emma haͤtte alſo, waͤre ſie hochmuͤthig und leichtſinnig geweſen, un⸗ geſtraft tauſend Sklaven an ihren Triumphwagen ſpan⸗ nen koͤnnen... aber ſie that es nicht. Nicht eitel auf ſolche Huldigungen, beſcheiden mitten im Glanze, blieb Emma beſonnen, aber nicht unempfindlich... das waͤre ja ein Fehler geweſen, und ſie hatte keinen. Es war ein ſeltnes Maͤdchen, faſt ein Wunder!“
„Weißt Du auch gewiß, Asmodi, daß ſie in unſerm Jahrhunderte lebte?“
„Meiſter, dort iſt ja ihr Liebhaber.“ 3
„Der junge Menſch, der ſich erſchießen will?..“
„Der Stundenzeiger ruͤckt vor, Meiſter. Laß mich weiter erzaͤhlen. Emma, ſagte ich, beſaß alſo eine Seele, die eben ſo zart war wie ihre Reize, eben ſo vollendet wie ihre Schoͤnheit. Sie mußte lieben. Da ſchlug auch in der That eines Tages— es war zum erſten male— ihr junges Herz hoͤher, da wollte ein Seufzer uͤber ihren ſchoͤnen Mund ſchweben, der ihr den Buſen hob, da ſenkten ſich ihre bis dahin ſo heiter blickenden Augen furchtſam und unruhig zu Boden... Mitten in dem Geraͤuſche des Konzerts, dem Glanze der Kerzen, der


