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„Hore ſeine Geſchichte. Ich habe noch Zeit, Dir ſte vor dem ungluͤcklichen Augenblicke zu erzaͤhlen. Um ge⸗ rade zur rechten Zeit zu enden, will ich genau auf den Zeiger der Stutzuhr Acht geben... Ja, Meiſter, das iſt ein ganz beſondrer, bizarrer, unerklaͤrlicher Zug aus Euern Sitten. Du ſollſt ſelbſt urtheilen. Dieſer junge Mann hier wird ſterben, weil er nicht begriff.. was Du wahrſcheinlich auch nicht beſſer begreifen wirſt.
Es gab alſo.. oder vielmehr es giebt noch jetzt,.. doch wir koͤnnen uns ſchon der vergangenen Zeit bedie⸗ nen, welche die Grammatiker das Praͤteritum nennen, denn in einer halben Stunde wird dieſe Mittheilung zur Geſchichte geworden ſein,.. es gab alſo ein junges, außerordentlich ſchoͤnes Maͤdchen, Emma mit Namen... den Familiennamen verſchweige ich Dir; man ſpricht ihn in der Welt nicht ohne Achtung aus, kuͤndigt ihn in mehr als einem glaͤnzenden Salon mit Aufſehn an. Wenn ich hinſichtlich der Reize ihrer Perſon weniger diskret bin, wird ſie mir deshalb nicht zuͤrnen? Du wirſt ſie vielleicht daran erkennen. Achtzehn Lenze be⸗ ſchenkten ſie mit den reizendſten Gaben der Jugend; die Friſche der Roſe leuchtete aus ihrer Geſichtsfarbe, das glaͤnzende Ebenholz der Haare bekraͤnzte ihre Stirn, die rein wie Lilien, aber milder als ſie; Azur, ſchoͤn wie der des Himmels, ſtrahlte unter ihren langen, ſchwarzen Wimpern hervor; ihr Laͤcheln floͤßte Liebe ein..... und was ſoll ich Dir von der Grazie ihres Halſes, der


