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„Nun denn, Freund Teufel, wenn Du in ein Herz ſchauen kannſt, wie Du in eine Dachſtube blickſt, oder in ein Schlafzimmer, oder in ein Kaͤmmerchen, ſo ſchaue und ſage, was Du ſiehſt. Ich moͤchte gern wiſſen, was in einem Herzen vorgeht, und glaube, ſo wie Du, daß der Spiegel der Sitten weit mehr darin ſich findet, als in der Haarfriſur eines ehrſamen Maraisbuͤrgers oder unter dem verraͤtheriſchen Shawl einer Opernbayadere.“
„Wenn das iſt, Meiſter, aufgepaßt! Stillgeſchwiegen und geſchaut!... Dort, am Ende meiner Kruͤcke, in jenem Hotel, im dritten Stockwerk, die vier ſchoͤnen blau und purpur drapirten Fenſter... Lauſch' nur durch die Vorhaͤnge... In einem allerliebſten Salon, nur ſchwach durch das flackernde Flaͤmmchen einer Kerze, von der das Wachs ſchon lange an dem vergoldeten Leuchter herab⸗ traͤuft, erhellt, erblickſt Du einen jungen Mann.⸗. Seine Zuͤge ſind ſchoͤn, aber bleich. Kuͤnſtlerhand hatte ſein Haar gelockt, aber ſeine eigene es wieder in Unord⸗ nung gebracht. Sein Anzug iſt vornehm, nach dem neu⸗ ſten Geſchmack, Schnitt und Stoff voͤllig nach der Mode; aber eben hat er beim Eintreten ſeine ſeidne Halsbinde auf die Kiſſen dieſer Ottomane geworfen und zu ſeinem Bedienten geſagt:„Joſeph, ſchließ' zu und geh' zu Bett!“ Joſeph hat die Wohnung verſchloſſen, iſt auf ſeine Kam⸗ mer gegangen und hat ſich zu Bett gelegt. Alsdann hat ſich der junge Mann auf dieſen Seſſel von Citro⸗ nenholz geſetzt, hat ſeinen Ellbogen auf dieſen Porphyr⸗


