Teil eines Werkes 
3. Band (1832)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3

gegoſſen hat. Seht Euch nur einander an: Gleichheit der Kleidung, des Geſchmacks, der Intereſſen, der Ge⸗ ſchaͤfte... der Meinungen jedoch nicht; das iſt die einzige Unaͤhnlichkeit. Man erkennt ſie an den Huͤten. Uebrigens aber Gleichheit, als der Typus des Zeitalters. Was unterſcheidet denn den Banquier, den Fabrikant, den Hofmann, den Mann von der Feder? Das Verdienſt; und dieſelben Gewebe aus London und Thibet vereinen eben ſo unter dem Geſetze der Gleichheit der Reize und Anmuth die Herzogin, das Naͤhtermaͤdchen, die Tochter des Notars und die Frau des wohlhabenden Handwer⸗ kers. Dreißig Revolutionen geſegne ſie Euch Gott! haben Euch ſo Eins an das Andere gerieben, daß Ihr endlich geſehen habt, daß Ihr Alle aus dem gleichen Tone gemacht ſeid, und der ganze alte Troͤdel iſt in Lumpen draufgegangen.

Asmodi, ich verſtehe Dich und fuͤhle, daß Du Recht haſt. Unſere Sitten liegen in unſerm Leben, nicht mehr in unſerm Aeußern...

Das wollte ich Dir eben ſagen, Meiſter; um ſie zu ſehen, mußt Du weiter blicken, als Dein Auge reicht; um ihre fluͤchtigen Nuͤaneen aufzufaſſen, mußt Du Dir andre Pinſel anſchaffen, als die, welche die Leinewand be⸗ ruͤhren und nur Schattenriſſe malen. Es genuͤgt ſelbſt nicht, ein Dach aufzudecken und ein geheimes Leben zu belauſchen; das Herz muß man durchforſchen, da ſind ſie

noch lebendig. 3 * 1*