Teil eines Werkes 
2. Band (1832)
Entstehung
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das, ohne alle billige Gründe, bis zur Anſchwärzung deſſen ging, was doch ein Recht auf ihre Achtung beſaß. Aber jene kleinen Treuloſigkeiten, jenes Mißbrauchen des Ver⸗ trauens, das jetzt in der Litteratur ſo häufig geworden iſt, würde die Schriftſteller des vorigen Jahrhunderts empört haben. Es fand unter ihnen eine Art von öffentlicher Moral ſtatt, welche nichts dem Aehnliches duldete. Eben ſo wie das Erſcheinen eines anziehenden Werkes, einer guten moraliſchen Abhandlung, einer Rede, in welcher ſich edle und zarte Gedanken kund gaben, der Gegenſtand der Unterhaltung für mehrere Wochen wurde, ſo nahm auch ein Vergeſſen der Schicklichkeit oder ein ſchlechtes Beneh⸗ men unter Gelehrten den Charakter einer Begebenheit an, die mit vollſtem Gewichte auf dem Strafbaren laſtete. Ein ſolches Skandal war aber ſehr ſelten. Rouſſeau rächte ſich wegen Paliſſots Satyren dadurch, daß er ihn beim Könige Stanislaus entſchuldigte, und wegen der Verläum⸗ dungen des Greiſes von Ferney, indem er eine Subſkrip⸗ tion zur Errichtung einer Statue für den Sänger Hein⸗ richs des Vierten unterzeichnete. Rouſſeau hatte Alles für ſich, was nur eine Feder halten, eine Zeitung leſen konnte, und Diderot, den eine zahlreiche Umgebung begünſtigte,

entging in derſelben Zeit nur mit Mühe dem Vorwurfe,

die Geheimniſſe der Freundſchaft verrathen zu haben. Damals ſtudirte man aber auch den Schriftſteller mehr

in ſeinen Werken, als in ſeinen Privatbeziehungen, die an

und für ſich ſchon einer minder ſtrengen Würdigung unter⸗