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aller Perſonen ,die ſich den geiſtigen Arbeiten erſten Ran⸗ ges widmeten. Man ſuchte dort eben ſowohl Unterricht als Gelegenheit zu glücklichen Erfolgen, ein Publikum und eine Einſamkeit; denn wenn der Baum der Wiſſeenſchaft in Zurückgezogenheit gepflegt ſein will, treibt er ſpäter ſeine Blüthen gern am hellen Tage. Die Sonne der Provinz iſt für ihn ohne Wärme. In welchen Beziehungen aber auch immer der Gelehrte in der Hauptſtadt zu den Welt⸗ leuten darin ſtand, ſeine Exiſtenz war doch dort ganz litte⸗ rariſch. Er übte zugleich einen Beruf und ein Prieſter⸗ thum aus. Eins war durch das Andere geadelt, und ſo verſchwand das, was jenes Unregelmäßiges in ſeinen Ge⸗ wohnheiten beſaß. Die hohe Richtung des Verſtandes bat um Nachſicht für das Materielle des Lebens und erhielt ſie. Wenn man nun auch unter den Dachſparren oder zwiſchen den engen Mauern eines Entreſols ſchrieb, ſein Mittags⸗ mahl in einer Kneipe einnahm und ſich nicht an die Tafeln der Reichen ſetzte, wenn man, um ſich genau auszudrücken, nicht immer ſo recht eigentlich eine Heimath hatte, fehlte es Einem doch deshalb nicht an einem Vaterlande. Die Gelehrten waren, wie wir ſchon geſagt haben, mit dem Schickſale ihres Landes verwachſen, ſtolz auf ſeinen Ruhm, niedergebeugt durch ſeine Niederlagen und tief betrübt über ſein Elend. Sie nur faſt allein noch unterhielten das hei⸗ lige Feuer. Voltaire machte manchmal eine Ausnahme von dieſer Regel, indem er ſich für fremde Völker enthuſias⸗ mirte. Seine Schüler theilten mit ihm dieſes Unrecht,


