Teil eines Werkes 
2. Band (1832)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

390

dem Finger bezeichnen, gehen raſch und fröhlich und ohne die Bürden, unter welchen Andere erliegen, umher! Man ſieht ſie ſich als heitere Gäſte zu dem Mahle ſetzen, zu welchem ſie uns den Zutritt verſagen! Welchen Glauben ſollen wir alſo in ihre Worte ſetzen? Sie haben Sorge dafür getragen, ihnen allen Werth zu rauben. hnatnn

So war in Rückſicht auf ihr Perſonale der Zuſtand der Religion in Frankreich, als die litterariſche Cenſur die Mißbräuche derſelben angriff. Die Befeſtigungen waren von allen Seiten ihrer Außenwerke beraubt, ſo daß es leicht war, ſich auf das Innere zu ſtürzen. Uebrigens hatten das, was man gegen das Ende des achtzehnten Jahrhun⸗ derts wagte, Clement Marot, Rabelais, Montaigne und mehrere Kirchenväter mit ſehr orthodoxen Geſinnungen ſchon vorher ſich erlaubt. Es lag nicht an den Gelehrten, wenn eine erwachſene Generation begierig ſich ihren Theil von

einer Polemik aneignete, bei der ihre materiellen Intereſ⸗

ſen mit ins Spiel kamen. Ohne die Ungeſchicklichkeit, wo⸗ mit man ihm zu viele verwundbare Seiten gegeben hatte, wäre der Chriſtianismus nur ſchwach erſchüttert worden. Der Baum hatte ſich mit Schmarotzerauswüchſen bedeckt, die man, einem öffentlichen Redner gegenüber, nicht verthei⸗ digen konnte; das Meſſer traf ſie, und der Stamm hatte Mühe, die Verſtümmelungen zu überleben, die er erlitt. Ein allen verſchiedenen Kultusarten eigenthümliches Unglück iſt dieſes, daß ſie in den erſten Zeitaltern einer Nation ſich genöthigt ſehen, faſt Kinder mit ihnen zu werden.