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Mademoiſelle von Orleans geht an der Seite ihrer erha⸗ benen Schweſter; oben an der Treppe bleiben die Prin⸗ zeſſinnen ſtehen, um hier den König zu erwarten. Jeder⸗ mann beeifert ſich, den König, welcher an der Spitze ſei⸗ ner ganzen Dynaſtie erſcheint, zuerſt zu erblicken. Trom⸗ melſchlag verkündigt die Ankunft Carls X. auf der Schwelle des Pallaſtes, vor welchem bald ein andrer Lärmen wieder⸗ hallen, deſſen Fagade wenige Tage nachher von den Ku⸗ geln ſeiner Grenadiere durchlöchert werden ſollte. Er fährt mit dem Könige von Neapel ein. Der Herzog von Or⸗ leans empfängt die beiden Monarchen am Kutſchenſchlage.
Von dieſen drei Fürſten ſollte nach Verlauf einiger Wo⸗
chen der eine entthront, der andere todt, und der dritte König ſein. Mit ihnen erſcheinen nun die Königin von Neapel, der Prinz von Salerno, die Dauphine, der Dau⸗ phin, Madame, und die eilf Prinzen und Prinzeſſinnen
von Orleans, welche ſich den hohen Gäſten anſchließen. Die Verſammlung kommt in Bewegung. Alle Bourbons
ſind gegenwärtig. Es fehlen nur die Condé's, und ſchon fehlten ſie nicht mehr. Dieſes in der Einſamkeit von Chantilly vergeſſene Heldengeſchlecht überlebte ſich nur, um bald von dem Schickſal den letzten und grauſamſten Schlag zu empfangen..
Der majeſtätiſche Zug durchſchreitet die zwanzig Säle. Alle Groß⸗Offiziere der beiden Kronen, alle Damen der beiden Höfe, die Miniſter, gehen dieſem Phalanx der Söhne Roberts des Starken und Heinrichs IV. vorauf. Die Mi⸗
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