Teil eines Werkes 
1. Band (1832)
Entstehung
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Reſt ihres Lebens in ein Haus reuiger Töchter ſperren, und ihr Bruder würde mit ſechs Monaten Gefängniß beſtraft; Cherubim würde jetzt auf dem Collegium bei Waſſer und Brot ſein; man würde allen poetiſchen Launen, allen dra⸗ matiſchen Erbitterungen, allen furchtbaren Erzählungen den Prozeß machen; wir glauben an alles das ſchon ſeit langer Zeit nicht mehr. Wir ſind vernünftige, ſtrenge, ehrliche Leute; wir alle ſind ganz das, was wir ſind, Bürger oder Edelleute, die von Schreib⸗, philoſophiſchen, Tanz⸗ oder gar Fecht⸗Lehrern die Möglichkeit gelernt haben. Wehe den Dichtern! es iſt nicht mehr die Zeit, wo der geiſt⸗ reichſte Mann, der über Alles in Frankreich ſpotten wollte, das Recht dazu eben nur darum hatte, weil er geiſtreich war. Es iſt nicht mehr die Zeit, wo geheiligte Dinge ins Lächerliche gezogen werden: Ehemänner, Gläubiger, un⸗ ſchuldige Mädchen, Hausväter und Frauen, die Achtung der Ahnen, der Geſetze, des Vaterlandes; alles Dinge, welche das alte Luſtſpiel ſchrecklich gemißbraucht hat; wir ſind darin die Schuldigen, wir Alle haben gewagt, über dieſe grau⸗ ſamen Scherze zu lachen. Aber jetzt ſind dieſe Scherze ver⸗ altet; wir lachen nicht mehr darüber; die Zeit dieſer grau⸗ ſamen Späße iſt vorüber; wir heirathen einander, wir lie⸗ ben unſere Frauen, und unſere Kinder achten uns; vor allen anderen achten wir die Wucherer, wir zahlen unſere Schulden, oder gehen nach Sainte⸗Peélagie; was die öffent⸗ liche Verſpottung der Tugenden, die wir noch haben könn⸗ ten, anlangt, ſo iſt auch das aus der Mode; Keiner duldet