Teil eines Werkes 
1. Band (1832)
Entstehung
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ſern die Dächer, zeigte die Menſchen in ihrem Bette, und die Frauen vor der Toilette; Asmodeus war da noch de⸗ cent, mit dem, was wir ſpäter ſahen, verglichen. Später trug er den Korb eines Lumpenſammlers. Er ſuchte die Sitten und Geſchichten in allen Gaſſen von Paris. Un⸗ längſt war er auf glänzend erleuchteten Dächern; wir ha⸗ ben ihn an den Straßenecken geſehen, eine Stocklaterne in der Hand; der einfache Hakenſtock erſetzte die prachtvolle Krücke; früher ſchrieb er ſeine Bücher auf dem Rücken der Poeſie; einer lieblichen Buhlerin mit duftenden Haaren, die ihm, knieend und ſchlau lächelnd, ihre weiße Schulter darbot; jetzt iſt es an ihm zu knieen; er ſchreibt an einer Straßenecke, beide Kniee im Koth, ſeine Memoiren. As⸗ modeus! wahrhafter Teufel! geiſtreicher Narr! unerſchöpf⸗ liche Kritik! ſelbſt in ſeinem Lumpenkaſten hat er herrliche Sachen gefunden; ſelbſt auf dem Eckſtein hat er Meiſter⸗ werke geſchrieben! Fürwahr! es war noch eine gute Zeit zum Schreiben; die Macht war entſetzt und der Hof ent⸗ flohen! Nicht die Großen waren lächerlich und laſterhaft; das Volk war es, denn das Volk war König geworden! Doch jetzt(ich komme auf meine Behauptung zurück), jetzt, nachdem jede Rolle verbraucht, nachdem man, wie alle alten Teufel, Eremit geworden iſt; was wird jetzt As⸗ modeus ſagen? Welche Schilderung kann er von unſeren verwiſchten Sitten machen? Die alte Welt des Luſtſpiels iſt verſchwunden, wie die Inſeln des Oceans, die der Vul⸗ kan verzehrt und mit einem unbekannten Lande vereint. 2*