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Trümmer der Leidenſchaft und Gefallſucht, des Luxrus und der Dürftigkeit der Frauen Gewinne berechnend; ſo trieb die Satyre alle Gewerbe. Wie oft, auch nicht die nie⸗ drigſte Hülle verſchmähend, hat ſie ſich nicht als Späher den Obrigkeiten verkleidet, und ganze Tage an den Thüren der Spiel⸗ und Freudenhäuſer lauſchend und ſpähend, auf⸗ zeichnend und im Kothe ſich wälzend verbracht? Man be⸗ greift leicht, daß bei dieſem Ausſchweifen der Sitten von einer Seite zur andern, gleich nahe den königlichen Pallaſt und das Hospital der Unheilbaren, die franzöſiſche Akade⸗ mie und das Narrenhaus berührend, daß da die Satyre und die Schilderung der Sitten belebt und maleriſch war; man begreift, daß Asmodeus ſich glücklich und ſtolz in einer ſo geſtalteten Welt fühlen mußte. Und ſeht, wie er eilt, der boshafte Teufel! ſeht, wie er leicht über die Dächer ſchreitet; denn man betrat damals die Dächer; koſtbarer Vorzug! Ol ich begreife wohl, daß er vor Freude hüpfen mußte, der Teufel, in dieſem bunten All von Leidenſchaf⸗ ten und Laſtern! aber ach! bei unſeren vollendeten Sitten, in unſerer geſchliffenen und geregelten Welt, unter unſerem traurigen und glanzlofen Himmel, auf dem Gipfel unſerer Weisheit; was ſoll da der Teufel beginnen? wird er nicht vor Langeweile ſterben!
Er iſt ſchon ſo alt, dieſer Teufel! Er hat ſo Manches geſehen von dem erſten Augenblicke der verderbten Geſell⸗ ſchaft an! er hat bei ſo manchem Verfalle geſtanden! er hat ſo manche umwälzung geleitet! er hat über ſo manchen


