Teil eines Werkes 
1. Band (1832)
Entstehung
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miſch von Meinungen, Bedürfniſſen und Leidenſchaften; überall fand man da noch Studenten, Wucherer, Liebe, Andacht, Soldaten, verſchrobene Frauen, Kupplerinnen, komiſche Aerzte, Gerichtsperſonen in ſchwarzem Talar, Prin⸗ zen incognito, üppige Mönche, leichtſinnige Wittwen, vor⸗ zügliche Schauſpieler, Dichter in Lumpen und betrogene Ehemänner. In dieſer Welt mußte ſich Asmodeus, der Teufel, gefallen. Ueberall war damals das Luſtſpiel ein Spiel freiſinniger und ſcherzender Intrigue, das gefiel. Es ſprang auf das Tribunal des Richters, ſetzte frech die vier⸗ eckige Mütze auf und ſchnitt den Klägern Grimaſſen; es ſetzte ſich auf den Thron des Königs, ſcherzend mit dem Despotismus und ſpielend mit der unumſchränkten Gewalt, wie man mit einem gezähmten Tiger ſpielt. Die Satyre achtete weder Menſchen noch Dinge; mit dem geſchmück⸗ ten Prieſter beſtieg ſie den Altar; mit den luſtigen Mön⸗ chen trank ſie in der Sacriſtey; in der Schänke ſpielte ſie mit dem Meſſer des berauſchten Richters; ſie, die aus⸗ ſchweifende und vernunftloſe Göttin, durcheilte die Hospi⸗ täler, Arzt und Kranke peitſchend; in Lumpen gehüllt und mit dem Bettelſacke erweckte ſie den eyniſchen Diogenes; von Wohlgerüchen duftend, erwartete die nachläſſige Cour⸗ tiſane galante Herren und rohe Soldaten in ihrem Ge⸗ mache; als Freudenmädchen die Gaſſen durchirrend, als Trödler an den Säulen der Hallen, als Wiederverkäufer weiblichen Putzes umgeben mit Eſſenzen, Pomaden, Schmin⸗ ken, alten Livreen, verbrauchten Roben, und durch dieſe