195
. bleiche, kalte Stirne. Nach einem kurzen Stillſchweigen
nahm ſie das Wort:
„Jetzt darf ich reden; jetzt habe ich das Recht, zu ſagen, daß es dein Verhältniß zu Amalie war, welches mich von dir zurückſcheuchte. Ach! Ich konnte mein Glück nicht auf ihre Koſten erkaufen; aber jetzt, da ſie ſich mit einem Andern verheirathet, ſteht Nichts zwiſchen dir und mir.“
„Du haſt ſomit an der Wahrheit meiner Worte, an meiner Ehre gezweifelt?“ rief Kuno heftig.
„Ach, wäre mir nur der Troſt geblieben, zu zweifeln! Ich hätte mir dann nicht die Pflicht auf⸗ erlegen dürfen, mein Herz zu zermalmen. Man ver⸗ ſicherte mir aber, Du habeſt mit den Gefühlen deiner Couſine geſpielt, Du habeſt mir nicht die Wahrheit ge⸗ ſagt. Ol das war ein bitterer Augenblick! Und hernach deine Antwort, als ich dich fragte, ob es keine Handlung in deinem Leben gebe, die Du mir verſchwie⸗ gen habeſt.“.
„Ellen, dieſe meine Antwort hatte auf etwas ganz Anderes Bezug.— Nenne mir den Namen desjeni⸗ gen, welcher frecher Weiſe behauptete, ich habe Amalie mein Wort gebrochen, nenne mir ihn, und ich werde ihn zwingen, ſeine Ausſage zurückzunehmen.“
„Du wirſt niemals erfahren, wer es war. Ach! Alles iſt ja vergeſſen, Alles ſteht ja wieder gut.“
Sie reichte ihm mit einem himmliſchen Lächeln die Hand. Kuno drückte ſie an ſeine Lippen.
„Sieh mir in die Augen, Ellen,“ äußerte er,
„und ſage: War es meine Mutter?“
„Nein.“


