Teil eines Werkes 
Ellen oder Ein Jahr : Novelle / Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von C. Büchele
Entstehung
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hatte ſie vielleicht die Abſicht, ſeine Eitelkeit zu bethören? Er antwortete beinahe ſpöttiſch:

„Ein Trinker und Spieler, wie ich, darf es nicht ſo genau nehmen.“

„Ah! Sehen Sie, an meiner Bemerkung haben Sie alſo doch Anſtoß genommen,“ äußerte Ellen traurig.

„Wie hat ſie nicht in dieſen wenigen Augenblicken ſo oft die Farbe gewechſelt,“ ſprach Kuno bei ſich; „böſe, mild, verdammend, ſchmeichelnd, bekümmert.“ Dann erwiederte er:

„Verzeihen Sie, aber ich konnte Ihre früheren Aeußerungen mit Ihrer nunmehrigen Vermuthung, daß ich nur das Vollkommene lieben könnte, nicht ver⸗ einen.“

„Ach, das iſt ja ſo leicht; Sie, wie alle reich be⸗ gabten Naturen, können Fehler haben; aber Sie können nichts Anderes lieben, als was ſchön und edel iſt.“

„Ich fürchte, ich kann es nicht ſo ganz und gar lieben,“ antwortete Kuno mit einem Schatten von Düſterheit auf ſeinem ſchönen Angeſicht. Ellen ſah die Wolke und dachte:„Er iſt unglücklich,“ und fühlte nun Mitleid mit ihm.

„Die Liebe geht von Gott aus; ſie gehört dem Himmel an und muß immerdar in jedem edeln Herzen wohnen,“ flüſterte Ellen.„Und am allerwenigſten können Sie ſo reden, da Sie ſich aus Liebe zu verloben beabſichtigen.“

Jetzt ſtellte ſich bei Kuno ſein höhniſches Lächeln wieder ein, und er antwortete ausweichend:

„Wie glauben Sie denn, daß meine beſtimmte

Braut beſchaffen iſt?“