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Beſinnen Sie ſich nur, zu welchem Unglück für Ihre Frau dieß führen kann; und würden Sie nicht recht unglück⸗ lich ſeyn, wenn Sie vor derjenigen, welche Sie liebt, er⸗ röthen müßten?“ 4
Kuno war ganz erſtaunt über das Seltſame, wel⸗ ches in dem Umſtande lag, daß ihm ein junges Mädchen ſolche Vorſtellungen machte, und vermochte deßhalb keine Antwort zu geben. Ellen dagegen betrachtete in ihrer Unſchuld ſein Stillſchweigen als eine Folge der Demüthi⸗ gung; das gute, mitleidige Herz kam in Bewegung und ſie ſetzte mit freundlichem Ton und Blick hinzu:
„Aber was ich da ſage, iſt recht kindiſch. Der Herr Bezirksrichter liebt ſeine Braut und bedarf alſo gewiß ſolcher Ermahnungen nicht. Uebrigens weiß ich ja nicht einmal, ob Sie dieſe Fehler haben; ich kann im Unrecht ſeyn, daß ich Sie nach Ihren Worten beurtheile.“
„Seltſames Mädchen!“ dachte Kuno.„Wenn ich nur einmal richtig in deiner Seele leſen könnte!“
„Seyen Sie verſichert,“ ſagte er dann laut,„daß ich niemals Ihre warnenden Worte vergeſſen werde; ſie waren gewiß nicht unangemeſſen. Ich habe dieſe Fehler und manche andere, welche ſchwerer gut zu machen ſind. Aber ich werde mich wohl damit tröſten dürfen, daß meine Braut auch die ihrigen hat, bei wel⸗ chen ich meinerſeits Nachſicht üben muß.“
„Sie hat ſicher nicht irgend welche Fehler,“ fiel
Ellen lebhaft ein. „Wer iſt ohne Fehler?“
„Aber Sie haben gewiß nicht eine Perſon wählen
können, welche nicht möglichſt davon frei wäre.“
Das war ja ſehr artig geſagt. Kuno wußte nicht, 3 was er von dieſem ſonderbaren Mädchen glauben ſollte;


