Teil eines Werkes 
Ellen oder Ein Jahr : Novelle / Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von C. Büchele
Entstehung
Einzelbild herunterladen

43

Kuno trug einen ſchwarzen Ueberrock, Weſte und Beinkleider von derſelben Farbe. Sein erſter Blick auf der Schwelle des Gaſtzimmers fiel auf Ellen; er glich einem Blitz, ſo ſcharf und durchdringend war er. Cllens klare, tiefe Augen begegneten den ſeinigen, aber ohne daß das junge Mädchen hiebei erröthete oder in einige Bewegung zu gerathen ſchien. Das Ein⸗ zige, was aus ihrer Miene momentan herauszuleſen, war ein Anflug wie von Mitleid, dadurch hervorge⸗ rufen, daß ſie einige Augenblicke zuvor ihn ſo ſtreng beurtheilen gehört hatte.

Niemals war Kuno's Aeußere in einem vortheil⸗ haftern Licht erſchienen, als dieſen Abend, da das höhniſche Lächeln ſich nicht ſehen ließ, und ein Zug von Trauer um den Mund weilte. 3

Sein Gruß war ungezwungen und anmuthig. Er nahm Platz neben der Probſtin, während der No⸗ tar ſich den jüngern Leuten beigeſellte und bald in vollem Geſpräch darüber begriffen war, wie man es anſtellen ſollte, um ſich über Mittſommerfeſt die mög⸗ lichſte Unterhaltung zu verſchaffen. Er und Frau Berg machten Vorſchläge, welche zwar den lauten Beifall von den Fräulein Lönner erhielten, aber von Alba verworfen wurden. Ellen ſaß ſchweigend da und nahm an der Berathung keinen Theil. Sie war in übler Stimmung.

Kuno äußerte gerade: 1

„Ein Richter ſollte eigentlich von Natur ohn Gefühl ſeyn, um ohne Schmerz ſeinem Berufe obliegen zu können.“

„Gibt es dießmal einen beſonders erregenden