Teil eines Werkes 
Ellen oder Ein Jahr : Novelle / Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von C. Büchele
Entstehung
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VI.

Vierzehn Tage waren verfloſſen, und man ſtand jetzt im Juni. Am ſechſten war die Landgerichts⸗ Sitzung verkündigt, und mit der gewöhnlichen Vorbe⸗ reitungspredigt eröffnet worden, worauf ſich ſowohl Richter als Prediger und mehre zu den Sitzungen ein⸗ getroffene Standesperſonen nach der Wohnung des Hüttenwerkbeſitzers Lönner, von welchem ſie zum Mit⸗ tagsmahl eingeladen waren, verfügten. Nach demſelben fanden ſich auch die Frauen vom Probſthof, welche man gebeten hatte, ein.

„Nun, der Bezirksrichter ſcheint es ja in vollem Ernſte auf die Gaſtfreundſchaft der Tante abgeſehen zu haben?“ äußerte Frau Berg gegen die Probſtin „Er iſt ja täglich im Probſthofe. Hieher auf das Hüttenwerk kommt er niemals.“

„Gällner intereſſirt ſich für ihn,“ antwortete die Probſtin,„und mir kommt es auch vor, als ob er ein ganz angenehmer Mann wäre, obwohl mich der zuweilen etwas häßliche Zug um den Mund genirt: er flößt mir ein Gefühl von Furcht ein.“

„Ah, was ſagſt Du da, Mamal! das lautet ja als ob Du ihn für bösartig hielteſt,“ fiel Ellen ein und ſchaute die Mutter an. 3

„Siehſt Du, Alba,“ ſagte die Probſtin lachend, „jetzt meint Ellen wieder, ich ſey zu ſtreng.“

.„Und ich meinte, daß Du, beſte Anna, jetzt wie immer dich ſehr ſchonend äußerteſt. Wenn ich ein Urtheil 4 4—

Schwartz, Novellen. II.