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Ellen war vom Kind zum Mädchen herangewachſen, aber ihr Herz daſſelbe geblieben. Sie ging zu Nora, um ſie aufzuheitern, brachte immer eine Gabe mit, und un⸗ terrichtete ſich genau von dem, was ihr Schützling be⸗ dürfte. Es iſt alſo nicht zu verwundern, wenn die arme, von der Welt vergeſſene Nora mit Leib und Seele an Ellen hing.
Jetzt ſaß unſere Ellen da, und redete mit Nora von ihrem kleinen Haushalte, und was ihr und ihrem blöd⸗ ſinnigen Bruder dabei abging, mit einem ſo warmen und theilnehmenden Intereſſe, als ob dieß insgeſammt ſie ſelbſt betroffen hätte. Nachdem ſie Alles, was Nora intereſſirte, beſprochen hatte, ſuchte ſie mit einigen herz⸗ lichen Worten dieſelbe zur Hoffnung und Geduld zu er⸗ muntern.
Die Arbeitsuhr auf dem Hüttenwerk hatte bereits Sieben geſchlagen, als Ellen ihren Schützling verließ und nach Hauſe zurückkehrte. Das Gewölke hatte ſich ver⸗ loren, der ſtarke Wind ſich gelegt, und die Abendſonne ſchien lächelnd auf die von den Regentropfen erglänzende Erde, aus deren Schooße ein balſamiſcher Duft aufſtieg; und die Vögel ließen nun munter ihre Triller im Walde ertönen.
Auf dem Heimwege begegnete Ellen einigen Frauen vom Hüttenwerke, welche, um den ſchönen Abend zu ge⸗ nießen, ausgegangen waren. In ihrer Begleitung be⸗ fand ſich Arnold. Als ſie mit Ellen zuſammentrafen, kehrten ſie um und ſchloſſen ſich ihr an.
„Wir haben uns heute ſchon einmal getroffen,“ ſagte der Notar zu Ellen,„aber Sie waren ſo ungnädig, Mamſell Gällner, daß ich wirklich fürchtete, Sie ſeyen böſe auf uns.“


