29
Sie, mich auf dem Rückwege von einem Werke der Barmherzigkeit zu finden, wie ich ſehe, daß es bei Ihnen der Fall iſt.“
Jetzt wurde Ellen purpurroth und warf ihm einen Blick voll Verdruß und Unwillen zu, indem ſie mit Heftigkeit erwiederte:
„Mir dünkte, der Herr Bezirksrichter geht auch ſchon heim.“
„Erlauben Sie mir nicht, Mamſell Gällner, daß ich Ihnen Geſellſchaft leiſte, da wir denſelben Weg ha⸗ ben und ich meine Wanderung nicht weiter zu erſtrecken beabſichtigte?— Geſtatten Sie mir, einen Theil Ihrer Laſt Ihnen abzunehmen,“ ſetzte er mit einer Bewegung nach der Flaſche hinzu.
„Nein, ich danke!“ antwortete Ellen kurz.
Kuno war allzu ſehr Weltmann, um nicht einzu⸗ ſehen, daß er auf irgend eine Weiſe ſie verletzt hatte; aber da es für einen Mann, wie ihn, unmöglich war auch nur zu ahnen, daß er mit dem, was er geſagk, Ellen verletzt haben könnte, ſo mußte er die Urſache ihrer übeln Stimmung darin ſuchen, daß er ſie in einem ſo ſchlechten Anzug überraſcht hätte.
Um ſich nun bei ihr wieder mehr in Gunſt zu ſetzen, ſagte er lächelnd, indem er auf die gelbe Blume deutete: 4
„ Warum entſtellen Sie eine ſchöne Hand mit
einem ſo häßlichen Dinge?“
„Ah, ſie iſt nicht häßlich,“ fiel Ellen lebhaft ein, indem ſie ihr Mißvergnügen ganz vergaß und wieder
zu den Gedanken zurücktehrte, welche einen Augenblick
zuvor ſie beſchäftigt hatten. Sie heftete einen beinahe
bittenden Blick auf ihn und ſagte: 4
5


