21
Eine Weile darauf war die Geſellſchaft wieder in dem Gaſtzimmer verſammelt.
Kuno nahm an Ellen's Seite Platz und ſagte mit ſeiner tiefen, wohllautenden Stimme:
„Ich hatte heute Vormittag ſchon das Glück, Mamſell Gällner, Sie zu ſehen.“
Er erwartete jetzt, Ellen würde ganz erſtaunt antworten:„Wo denn?“ Aber er irrte ſich; ſie ſah ihn an und ſagte ganz einfach:
„Vermuthlich, als ich im Garten war; denn die
Herren ſtanden oben auf dem Kirchberge, und von
dort aus überſieht man den ganzen Probſthof.“
Kuno fuͤhlte ſich von dieſer Antwort ſo über⸗ raſcht, daß er einen Blick auf Joſeph warf, iun der Hoffnung, derſelbe möchte ſie nicht gehört haben; aber die Augen des Notars begegneten den ſeinigen und erglänzten von einer gutmüthigen Schadenfreude.
„Bah!“ dachte Kuno;„das iſt auch ſo eine Manier, mit Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe zu kokettiren. Nach einigen weitern Worten ſtand er auf und ließ ſich für den Reſt des Abends an einem Spieltiſch nieder. 8
„Nun, wie gefällt Ihnen, Mamſell Bendel, mein Freund Arlborg?“ fragte der Notar, indem er ſich neben Alba niederließ.
„Nicht ſonderlich.— Ich kenne ihn übrigens erſt ſeitdem er vergangenes Jahr mit dem alten Oberlandrichter hier geweſen, und er war eigentlich niemals nach meinem Geſchmack.“
„Nun, wie glauben Sie, daß Mamſell Gällner
ihn findet?“
„Ebenſo wie ich,“ antwortete Alba lachend.


