Teil eines Werkes 
Ellen oder Ein Jahr : Novelle / Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von C. Büchele
Entstehung
Einzelbild herunterladen

niederträchtig häßlichere Gegend nirgends findet. Aber

8 nur zwei junge Männer, den höhern Ständen ange⸗ hörig, blieben auf dem Hügel zurück und ſchauten hinüber zu dem Pfarrhauſe. 4 Der eine war hochgewachſen, ſchlank und ſchwarz gekleidet, mit einem eigenthümlich unruhigen, bald nachdenklichen, bald düſtern, bald excentriſchen Ausdruck in den tiefliegenden, großen, dunkeln Augen. Die Naſe war ſtark gebogen, und der Mund, mit den ſchönſten, weißen Zähnen geſchmückt, wurde oft durch ein höhniſches, beinahe dämoniſches Lächeln entſtellt. Das Ganze trug ein ariſtokratiſches Gepräge, das durch die Gleichgiltigkeit und Lebensmüdigkeit, welch G

8

in jedem Zug zu leſen ſtand, nicht beeinträchtigt wurde. Seine Haare waren dunkel und gelockt, die Hände klein und weiß, die Bewegungen elegant und nachläſſig zugleich, die Kleidung ſorgfältiger und ſau⸗ berer, als man auf dem Lande zu ſehen gewohnt war. In der Hand hielt er ein Spazierſtöckchen, mit welchem er ſpielte, und zu ſeinen Füßen lag ein großer, braun und weiß gefleckter Hund.

Sein Kamerade war ein kleiner, etwas dicker Kavalier mit rothen Wangen, rundem, vollem Ange⸗ ſicht und einer Naſe, welche ſicherlich ihre Sympathien im Himmel hatte, denn ſie wandte ſich beharrlich dort hin; zugleich beſaß er einen großen Mund, lachte gern und ließ dann den ganzen Reichthum von zwei Reihen der weißeſten und gleichſten Zähne ſehen, welche jemals den Mund eines jungen Mannes zierten.

So, ſo, mein lieber Joſeph, an dieſem abſcheu⸗ lichen Ort ſind wir alſo zu weilen verurtheilt. Man kann ohne Uebertreibung behaupten, daß ſich eine