ſelben Stelle ewige Liebe und Treue geſchworen; eine Treue, die ſie längſt nicht mehr gehalten.
Liebte ſie wirklich Charles? Gott weiß es! Zoé gehörte zu denjenigen, welche aus Laune oder Eitel⸗ keit lieben.
Charles de Beaupré war Marquis, jung, reich und verliebt. Zoé wäre durch ihn in eine geſellſchaft⸗ liche Stellung gekommen, welche Gaſton ihr nie bieten konnte, falls er wirklich aus dem Kampfe zurückkehrte.
Als eine ächte Franzöſin konnte 306 unmöglich begreifen, wie man des Gefühls halber ſollte im Stande ſein können, den eigenen Vortheil zu opfern; darum nahm ſie begierig die Partie mit Charles an, und bald kam es ihr ſelbſt unerklärlich vor, wie ſie hätte glau⸗ ben können, im Ernſte eine Neigung zu Gaſton gehabt zu haben. Natürlich mußte er einſehen, daß ſie nicht darauf verzichten konnte, die Frau des reichen Mar⸗ quis de Beaupré zu werden, weil ſie unter dem Einfluß exaltirter Gefühle einen kindlichen Schwur der Treue geleiſtet.
Die Dunkelheit der Nacht war eingebrochen, als Gaſton in ſeine Wohnung eintrat. Nur einige Stun⸗ den waren, ſeit er ſie verließ, verfloſſen, und doch waren ſie hinreichend geweſen, dieſe lebhaften und freudeſtrahlenden Züge in ſolche zu verwandeln, welche Kummer und Verzweiflung entſtellt hatten.


