Teil eines Werkes 
9. Band, Thomas Thyrnau : 3. Theil (1855)
Entstehung
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Die Kaiſerin blieb den Familien, die ſie als Muſter eines tugendhaften Lebens aufſte lite, ſtets in großen Gnaden gewo⸗ gen und ſchenkte ihnen gern jede Vergünſtigung, welche die unabhängigen Verhältniſſe derſelben zu laſſen wollten.

Thomas Thyrnau endlich blieb bis zu ſeinem Ende der Mittelpunkt Aller, die ſich ſeine Kin der nannten, in den Ver⸗ band ſeiner Liebe aufgenommen ſein wollten und auf das Bei⸗ ſammenſein mit ihm einen ſo hohen Werth legten, daß als er den Wunſch ausſprach, das Dohllen neſt nicht mehr zu ver⸗ laſſen, Alle den Winterfrenden Wiens entſagten und ſich um ihn in Tein verſammelten. Er erreichte ein hohes Alter bei völlig ungeſchwächten Geiſteskräften. Er war der ſchönſte Greis und ſeine Haltung aufgerichtet, und ſeine Stirn heiter bis zu ſeiner letzten kurzen Krankheit.

Sein Verhältniß zur Kaiſerin und zu Kaunitz blieb ſehr ausgezeichnet und doch ſehr eigenthümlich Er korreſpondirte mit Beiden. Sie zogen ihn zu Rathe und ſelten ward in Bezug auf Böhmen etwas unternommen, ohne daß man es ihm zur Prüfung übergab und er hatte die Genugthuung, zu ſehen, daß man weder ſeinen Rath überſah, noch ſeine Erfahrungen gering achtete.

Niemals jedoch empfing Thomas Thyrnau eine öffentliche Anerkennung oder Auszeichnung und als er einſtmals den kleinen erregten Bemerkungen ſeiner Familie darüber lächelnd zugehört hatte ließ er ſich das uns bekannte Portefeuille der Prinzeſſin Thereſe geben und nahm einige Briefe von Kaunitz und Maria Thereſia heraus, wie auch das Konzept eines Ant⸗ wortſchreibens ſeinerſeits an die Kaiſerin.

Da Ihr geneigt werdet, meiner großſinnigen Freundin Unrecht zu thun, ſagte er lächelndſo wird es wohl an der Zeit ſein, daß ich Euch mittheile, was gerade über den

Thomas Thyrnau. uI. 24