Teil eines Werkes 
9. Band, Thomas Thyrnau : 3. Theil (1855)
Entstehung
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Wenn die Familien im Winter nach Wien kamen, hatte die Frau Kloſterpächterin Bäbili Oberhofer jedesmal die Ehre,

daß Alle bei ihr vorfuhren und in dem Refektorium, Ange⸗

ſichts des Chriſtophorus⸗Brunnens ſich von der beglückten Frau mit den Erzeugniſſen ihrer Milchkammer bewirthen ließen. Dann ſtreiften die hier einſt ſo verhängnißvoll zuſammen Ge⸗ führten durch das kleine Terrain, ſo rührend und erinnerungs⸗ voll, und unterſuchten ſelbſt, ob auch die kleine Hütte im Stande gehalten werde, denn ſie ſollte Allen ein lang be⸗ wahrtes Andenken bleiben.

Guntram war als Leibjäger des Fürſten endlich als För⸗ ſter in das Waldſchlößchen und zugleich als deſſen Kaſtellan eingetreten. Als er der Einſamkeit dort müde war, begleitete er die Fürſtlichen Herrſchaften einmal nach Wien und be⸗ ſuchte Frau Bäbili. Sie ſahen bald ein, daß ſie ſich zu viel zu ſagen hatten, um auf Beſuch damit fertig zu werden. Der Fürſt hatte ſchon lange in den ſchönen Waldwieſen eine Meierei anlegen wollen genung, die Herrſchaften machten der Frau Bäbili bei dem bewußten Beſuch ſelbſt den Antrag, dieſe mit ihren ſchweizeriſchen Erfahrungen ein⸗ zurichten.

Nun zierte ſich Frau Bäbili grade vierundzwanzig Stun⸗ den lang und brachte es in dieſer Zeit vom völligen Abſchlagen bis zum völligen Einwilligen, ſogar weiter, als der erſte An⸗ trag lautete, denn ſie ging nach vier Wochen als Guntrams angetraute Frau nach der neuen Heimath ab und Beide ſollen dieſen Schritt nie bereut haben, und was ſie einrichteten, ward eine Muſterwirthſchaft genannt, und zu jeder Zeit konnte man dort einkehren und fand Guntram und Bäbilt und das ganze Haus bis auf die Ställe in glänzender Ordnung, und ſogar in einer gewiſſen koketten Eleganz.

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