Teil eines Werkes 
9. Band, Thomas Thyrnau : 3. Theil (1855)
Entstehung
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Punkt, den Ihr von ihr überſehen glaubt, zwiſchen uns unter⸗ handelt worden iſt. 2

Es ergab ſich aus einem Handbillet der Kaiſerin an Kaunitz, daß ſie nach dem Frieden bei der Regulirung ihrer innern Angelegenheiten Kaunitz aufgefordert hatte, ihr Vor⸗ ſchläge zu thun, auf welche Weiſe ſie ſich gegen Thomas Thyr⸗ nau dankbar bezeigen könne. Sie hatte aber in ihrer Lebhaf⸗ tigkeit die Antwort ihres vorſichtigen Miniſters nicht abgewartet, ſondern ihm ſelbſt wie ſich Kaunitz darüber äußerte alle möglichen Vorſchläge dazu mündlich gemacht. Dazu gehörten unter andern:Titel ohne Anſtellung, aber mit Gehalt! der Adel! oder ein Orden!

Dieſe Vorſchläge wurden Thyrnau gemacht und er geſtand ein, daß dieſer Eifer der Kaiſerin ihn um ſo mehr gefreut hätte, da ſie offenbar dadurch faſt aus ihrer vorſichtigen Mäßigung herausgegangen wäre, und ihm dadurch die Gewißheit gewor⸗ den ſei, wie ſie ihn in ihrem großen Herzen von aller Schuld freigeſprochen habe und jetzt auch dieſer Ueberzeugung ein Opfer bringen wolle.

Thyrnau fühlte aber gerade darum die vollſtändigſte Sicherheit, jedes äußere Zeichen ihrer Gunſt von ſich abzu⸗ lehnen, da er zu ſeiner Befriedigung nichts bedurſte, als die Gewißheit, dieſe zu beſitzen. Er ſelbſt machte ſie ſchonend auf ſeine Stellung aufmerkſam er zeigte ihr die Mißdeutungen, die eine öffentliche Belohnung desjenigen nach ſich ziehen könnte, den man ziemlich weit verbreitet als das Haupt einer Partei bezeichnet, welche an dem Loßreißen des Königreichs Böhmen ernſtlich gearbeitet habe. Er ſprach ihr unverholen die Beſorgniß aus, daß eine ſolche Handlung ihrerſeits dem roheren Theil von dem man immer allein zu fürchten habe ein Eingeſtändniß mangelhafter Zuſtände ſein könnte,