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möglich vor— darum ſei nicht ſo hartherzig gegen mich!“
„Nein, guter Trautſohn,“ ſagte Magda innig—„nur ſollſt Du endlich an was Anderes als an mich denken lernen — denn Du mußt heirathen— auf Deiner großen Herrſchaft in Mähren kannſt Du nicht allein leben— Du haſt mir das ſo oft geſagt.“
„Freilich,“ ſagte Trautſohn—„meinte ich Dich immer nur, wenn ich das ſagte. Aber Recht haſt Du— wenn ich all die Pracht und Herrlichkeit auf meiner Herrſchaft anſah, da konnte ich mich ſchon jetzt oft recht nach einer Frau ſehnen, die ein bischen Leben hinein brächte!— Wenn ich nur eine fände, die Dir ein Bischen ähnlich ſähe!“
„Ich will Dir ſuchen helfen,“ ſagte Magda zutraulich— und unwillkürlich ſah ſie ſich um, denn ſie hörte Hedwiga, die mit Thyrnau hinter ihr ging, einen Schrei der Freude aus⸗ ſtoßen. Sie waren nämlich aus dem Schloſſe getreten und ſich dem Rande der Terraſſe nähernd, ſahen ſie einen ſeltſamen Zug den Weg daher kommen.
Sechs ſtarke Ochſen waren vor einen Wagen geſpannt, der eine Art fahrendes Haus zu ſein ſchien; näher kommend erkannte man eine kleine Hütte mit einem Moosdach— dann zeigte ſich, daß die Wände Gitter waren, um die man junges Laub gewunden hatte.— Der Anblick wurde immer reizender — Magda wurde immer neugieriger— ſie zog Trautſohn die Stufen hinunter dem Zuge entgegen und Alle folgten.
„Ach“— ſagte Trautſohn und ſchauderte ordentlich vor
Luſt zuſammen—„wenn es Dir doch nur Freude machte!“ Als ſie ganz nahe waren— nahm er einem Diener ein Kiſſen ab und reichte es Magda— darauf lag eine Taſche mit ge⸗ pflücktem Brot und eine kleine ſilberne Pfeife. Magda ſtieß einen Freudenſchrei aus, griff nach Beidem und ſetzte augen⸗


