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Hedwiga hatte jetzt das achtzehnte Jahr vollendet. Sie war eine Hebe, wie die Begeiſterung des Dichters ſie nur je geträumt. Sie hatte daſſelbe holde Kindergeſicht, die unbe⸗ ſchreiblichen Augen; aber ſie war nun, vollendet durch das vorgeſchrittene Alter, eine bezaubernde Jungfrau.
Hinter dem Zuge ging der Fürſt, und an ſeinem Arm hing Georg Prey, der Bewohner von Tein im Sommer und des Palaſtes Morani im Winter. Lebhaft unterhielten ſich beide, und doch wurde der alte ehrwürdige Herr zuweilen etwas zerſtreut, denn Hedwiga war noch immer ſeine beſte Freundin, und als wollte ſie ihn heute an ihre erſte Be⸗ kanntſchaft erinnern, trug ſie eine lange Ranke der zarten blaßgrünen Winde mit ihren weißen Florblüten in der Hand
und machte oft einen reizenden Seitenſprung, um die kleinen behaarten Händchen der Ranke an dem plüſchenen Staatsrock des alten Herrn ſich anhängen zu laſſen.
Er drohte ihr dann und ſie mußte ſich lachend mit ihm zu thun machen, um ihn wieder zu befreien. 4
Dieſem Zuge nun ging der Graf von Lacy von der Ter⸗ raſſe entgegen, und jetzt machte die vereinigte Geſellſchaft auf der Platform ein reizendes Tableau. Doch waren, wie es ſchien, noch nicht alle Gäſte beiſammen, denn man fuhr fort, in ein⸗
zelnen Gruppen ſtehend oder gehend ſich die Zeit zu vertreiben.
Dabei richteten ſich oft die Blicke nach den Gittern der großen
Allee, hinter welchen die Landſtraße zu ſehen war. End⸗
üch eilte Laey, welcher eben ſcharf ausgeſehn hatte, zu
Magda— verbeugte ſich tief und zeigte nach dem Eingang der Allee.
Alle eilten gegen den Rand der Terraſſe— die Gitter waren geöffnet und es lenkte ein ſtattlicher Zug von Reitern in den Lindenweg ein. Das lebhafteſte Vergnügen zeigte ſich auf allen Geſichtern; Magda wehte mit ihrem weißen Taſchentuche


