Der Pater Hieronymus ging an ihrer Seite und ſie wußte ihre heitere Redeweiſe dem Bedürfniß des ehrwürdigen Herrn anzupaſſen. Magda hatte endlich den alten Freund des Hauſes beſiegt; er war aus dem Orden der Prämonſtra⸗ tenſer ausgetreten. Jetzt bewohnte er ein eigens für ihn erbautes Häuschen mitten im Schloßgarten unfern des Siechenhauſes neben einer von Magda errichteten Kapelle, welche durch einen bedeckten Gang mit dem Siechenhauſe in Verbindung ſtand. Er war Magda's Beiſtand bei der neuen Einrichtung und größe⸗ ren Ausdehnung deſſelben, er war zugleich Seelſorger und Arzt und höchſt glücklich durch das thätige und nützliche Beiſammen⸗ leben mit den Menſchen, die er am meiſten auf der Welt liebte.
Hinter der Fürſtin wurde die alte Gräfin von Hautois getragen, welche auf ihrem Schooß die reizende kleine Maria Thereſia hatte, welche die Lebhaftigkeit ihrer Mutter und die Schönheit beider Aeltern geerbt zu haben ſchien. Die alte Gräfin, welche jedes Ungemach ertrug, um dies von ihr an⸗ gebetete Kind im Arm halten zu können, mußte es ertragen, daß alle Augenblicke eine kleine Wolke von Puder aus ihrer Friſur in die Luft flog, da Maria Thereſia ſich mit Egon und Hedwiga neckte, welche zu beiden Seiten der kleinen Schweſter gehend, unter tauſend Scherzen ihr allerlei kleine Liebesdienſte erzeigten, und dadurch das holde Kind bald rechts, bald links in die Höhe fahren ließen.
Egon war der ſchlankſte junge Hauptmann der kaiſer⸗ lichen Armee; einen tüchtigen Degen nannten ihn ſeine Vor⸗ geſetzten. Er glich auffallend ſeinem Vater, und Alle, die ihn kannten, liebten ihn, denn er war treu und redlich und hatte dabei eine kleine Ader von ironiſcher Beobachtung, einen glücklichen praktiſchen Takt, was ihm erſetzte, daß alle wiſſenſchaftliche Bildung ihm ſchwer wurde und daher auch wenig darin erreicht ward.


